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Das sind die „Swing States“ bei der Bundestagswahl – und warum so viele Michaels auf dem Stimmzettel stehen

„Sie haben zwei Stimmen“ – das steht oben auf dem Stimmzettel. Mit der ersten entscheiden die Wähler am Sonntag über die 299 direkt zu wählenden Bundestagsabgeordneten. In einigen Wahlkreisen kann das Rennen richtig knapp werden.

Nur 53 von 143.502 Stimmen haben am Ende den Ausschlag gegeben. Im Wahlkreis Märkischer Kreis II wurde 2013 die SPD Kandidatin Dagmar Freitag direkt gewählt – mit einer nur hauchdünnen Mehrheit. Die CDU-Direktkandidatin Christel Voßbeck-Kayser hatte das Nachsehen, konnte aber über die NRW-Landesliste in den Bundestag einziehen.

Rennen wie diese wird es auch am Sonntag wieder geben. Ich habe die Daten des Bundeswahlleiters ausgewertet und die Ergebnisse von 2013 auf die Wahlkreiseinteilung 2017 übertragen.

In NRW wird es spannend

Das Ergebnis: In 15 der 299 Wahlkreise betrug der Abstand 2013 weniger als einen Prozentpunkt, in 30 Wahlkreisen weniger als drei Prozentpunkte. Fast immer sind es CDU und SPD, die sich einen heißen Kampf um Platz 1 in dem Wahlkreis liefern. In diesen „Swing-States“ kann es am Sonntag richtig spannend werden. Viele der Wahlkreise mit knappem Ergebnis befinden sich in Nordrhein-Westfalen, Südniedersachsen, Nordhessen und rund um Berlin – vieles davon eigentlich SPD-Kerland. Doch bei den vergangenen Jahren konnte immer wieder die CDU hier punkten, oder zumindest sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit den Sozialdemokraten liefern.

Wahlkreise mit knappen Ergebnissen

Wahlkreise mit einem Abstand kleiner als 3 Prozentpunkten zwischen den beiden bestplatzierten Kandidaten:

Wkr-Nr.WKWahlkreisnameAbstand
150150Märkischer Kreis II0.0369332831598
120120Essen III0.0622119353263
6161Potsdam – Potsdam-Mittelmark II – Teltow-Fläming II0.110000916674
167167Waldeck0.169781826613
9393Köln I0.30443253775
5252Goslar – Northeim – Osterode0.330995028264
2828Delmenhorst – Wesermarsch – Oldenburg-Land0.358567969173
6060Brandenburg an der Havel – Potsdam-Mittelmark I – Havelland III – Teltow-Fläming I0.406388016591
133133Herford – Minden-Lübbecke II0.473554697427
2727Oldenburg – Ammerland0.631663524831
9696Bonn0.68085451001
296296Saarbrücken0.746488698391
132132Bielefeld – Gütersloh II0.814568527059
135135Lippe I0.928892511561
5959Märkisch-Oderland – Barnim II0.991013578601
4848Hildesheim1.02682558748
4545Gifhorn – Peine1.18074591172
114114Krefeld II – Wesel II1.34868497412
209209Kaiserslautern1.36301309549
186186Darmstadt1.37205048783
4747Hannover-Land II1.47709180966
8282Berlin-Neukölln1.76876774395
7878Berlin-Spandau – Charlottenburg Nord1.78533691288
101101Leverkusen – Köln IV2.00819228897
299299Homburg2.14807616168
5353Göttingen2.21801757812
1919Hamburg-Altona2.4619986161
169169Werra-Meißner – Hersfeld-Rotenburg2.55807718391
170170Schwalm-Eder2.76403394017
4646Hameln-Pyrmont – Holzminden2.76803865531

In den 299 Wahlkreisen können sich die Wähler zwischen 2559 Direktkandidatinnen und Kandidaten entscheiden. Am längsten ist die Liste der Direktkandidaten im Wahlkreis 83 Berlin-Friedrichshain-Kreuzberg – Prenzlauer Berg Ost. Dort stehen 18 Namen in der ersten Spalte des Stimmzettels.

29 % Frauenanteil

Insgesamt bewerben sich 4828 Menschen um den Einzug in den Bundestag. 1400 von ihnen (29%) sind Frauen. Bei der Wahl im September 2013 hatten sich 4451 Kandidaten beworben. Nur bei der Bundestagswahl 1998 hatte die Zahl der Bewerbungen mit 5062 noch höher gelegen. Für 520 der Kandidaten ist es nicht der erste Versuch, direkt in den Bundestag einzuziehen.

Die älteste Kandidatin ist Barbara Rütting mit 89 Jahren, 10 Bewerber sind im Jahr 1999 geboren. Das Durchschnittsalter aller Bewerber liegt bei der Bundestagswahl 2017 bei 46,9 Jahren, die meisten wurden 1964 geboren.

Kickboxerin und Krimiautor

Die größte Gruppe der Bewerber hat „MdB“ als Berufsbezeichnung angegeben, gut vertreten sind auch Studenten, Rechtsanwälte, Angestellte und Rentner. Es gibt aber auch 10 Bewerber, die arbeitssuchend oder arbeitslos sind. In den Berufsbezeichungen finden sich aber auch „Krimiautor“, „Krebsforscher“, „Kurierfahrer“, „Major (a.D.)“, „Pastor“, „Pilot“ oder „Profikickboxerin“. 335 der Kandidaten haben einen Doktor-Titel, 34 nennen sich Professor oder Professor Doktor.

Unter den 4828 Bundestagskandidaten sind drei, die „Merkel“ mit Nachnamen heißen, aber 12 die „Schulz“ im Nachnamen tragen. Und was die Vornamen angeht, so ist die Chance groß, dass im 19. Deutschen Bundestag viele Michaels, Thomas, Andreas, Christians und Martins sitzen werden. Es haben sich auch 5 Angelas um einen Sitz im Parlament beworben. Mindestens eine scheint es am Sonntag auch zu schaffen.

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